Friedrich Ebert

Friedrich Ebert
1871 – 1925 / Biografie

Friedrich Ebert wurde am 4. Februar 1871 – 17 Tage nach der Gründung des Deutschen Reichs im Schloss von Versailles – in Heidelberg als siebtes von neun Kindern des Schneidermeisters Karl Ebert und dessen Ehefrau Katharina geboren.

1885 fing er eine Sattlerlehre an, aber vier Wochen vor der Gesellenprüfung überwarf er sich mit seinem Meister und ging 1888 ohne Abschluss auf die Walz. In Mannheim trat er in die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) ein, die 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt wurde, und im August 1889 wurde der Achtzehnjährige Schriftführer des Sattlerverbandes in Hannover. Sein Engagement für die Arbeiterbewegung war nicht ungefährlich, denn Adel, Junker und »Schlotbarone« fühlten sich von der »roten Gefahr« bedroht, und Reichskanzler Otto von Bismarck, der um den Bestand des von ihm gegründeten Staates fürchtete, hatte am 18. Oktober 1878 im Reichstag das »Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie« verabschieden lassen. Auch Friedrich Ebert wurde von der Polizei beobachtet, und er blieb deshalb nie lange an einem Ort.

Erst im Mai 1891 – im Jahr nach der Aufhebung des »Sozialistengesetzes« und dem von Kaiser Wilhelm II. erzwungenen Rücktritt Bismarcks – ließ Friedrich Ebert sich in Bremen nieder und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis er zwei Jahre später in die Lokalredaktion der »Bremer Bürgerzeitung« aufgenommen wurde. Nachdem er am 9. Mai 1894 die zwei Jahre jüngere Hausgehilfin und Fabrikarbeiterin Louise Rump (1873 – 1955) geheiratet hatte, pachtete er eine Gastwirtschaft – und machte sie zu einem Treffpunkt von Sozialisten und Gewerkschaftern. Noch im selben Jahr ließ er sich zum Parteivorsitzenden der SPD in Bremen wählen.

Louise Ebert brachte zwischen 1894 und 1900 vier Söhne und eine Tochter zur Welt. Die Kinder wurden von Anfang an dazu erzogen, sich in das streng geordnete Leben der Familie einzufügen. »Im Hause der Eltern hieß es, bei aller Freiheit vor allem Disziplin üben«, erinnerte sich der Sohn Karl Ebert später.

Von 1900 bis 1905 vertrat Friedrich Ebert seine Partei in der Bremer Bürgerschaft und führte die SPD-Fraktion. Es ging ihm weniger um Dogmen als um eine praktische Politik mit dem Ziel einer Verbesserung der Lage der Industriearbeiter, und er war überzeugt, dass sich die angestrebten gesellschaftlichen Veränderungen eher durch Reformen als durch eine Revolution erreichen ließen. Diese realpolitische Einstellung wurde jedoch von einer wachsenden Mehrheit der Bremer SPD-Mitglieder abgelehnt.

 

 

Quelle: http://www.dieterwunderlich.de/Friedrich_Ebert.htm